Bitte beachtet, dass das Projekt im Jahr 2015 mit zwei neuen Versionen überarbeitet wurde. Gerade ViFAST Mk3 klingt wirklich mehrere Klassen besser als das Orginal und sollte bei Nachbauinteresse bevorzugt werden. Die Revision findet ihr hier.

ViFAST - Original Post 2012

Günstiges und noch kompaktes FAST-System mit Peerless SDS 5 1/2 als Tieftöner und dem erstaunlichen 15 Euro-Breitbänder 9BN-119/8 von Vifa

 

Im Jahr 2009 erregte der Vifa Breitbänder trotz spektakulärer Testergebnisse in der HobbyHifi wenig aufsehen. Dort brillierte er mit einem sehr ausgedehnten Frequenzgang, der erst weit oben im Frequenzspektrum erste Störungen aufwieß. Ergänzt wurde der Frequenzgang von einem sehr moderaten Klirrniveau. Beste Voraussetzungen also für eine klare und stressfreie Mitteltondarstellung. Dass das Chassis dann für weniger als 15 Euro über die Ladentheke wandert, erstaunt umso mehr.

 

Genug der Lobhudelei, was fängt man also mit so einem Leckerbissen an? Um den verträglichen Preis auch auf der Schlussrechnung gerecht zu werden, suchte ich mir einen ebenfalls preiswerten Tiefton-Kompagnon der Marke Peerless. Ich möchte gleich vorwegnehmen, dass der hier vorgestellte Lautsprecher nicht das Ende der Fahnenstange dessen darstellt, was man mit dem kleinen Vifa-Töner erreichen kann. Ich habe den Vifa-Breitbänder testweise in einer 3 Wege-Konfiguration betrieben und das Ergebnis war nochmals erheblich besser, allerdings gestaltet die komplexere Weiche die Kosten für das Gesamtsystem auch weniger einsteigerfreundlich, weswegen die FAST-Version auch seine Berechtigung hat.

 

Vorneweg zwei zu erwartende Fragen, die ich gleich mit einem nein ausräumen muss:

 

Kann man das System auch mit frontal montiertem Breitbänder betreiben? - NEIN, der Radius vor dem Breitbänder wirkt als Waveguide und erhöht damit im Mitteltonbereich den Schalldruck. Folglich passt die hier verwendete Weiche nicht zu einem frontal verbauten Vifa 9BN.

 

Kann ich den Breitbänderausschnitt nicht einfach zylindrisch nach vorne laufen lassen und mir so den Radienfräßer sparen? - NEIN, durch die parallelen Zylinderwände kommt es zu hässlichen Resonanzeffekten, die Ihr nicht hören wollt.

 

Zum Aufbau dieses Lautsprechers sollten vorhanden sein:

 

- Oberfräse

- Fräszirkel

- Schaftfräser

- ein Radienfräser mit Radius zwischen 0,9-1,2cm

 

 

Chassis

Gehäuse:

Essenziell für einen erfolgreichen Nachbau ist eine adäquate Ausführung der Schallwand im Bereich des Breitbänders. Hier ist weniger wichtig, wie groß der verwendete Radienfräser ist (wie Ihr seht, benutzte ich einen mit 9,1mm, als vielmehr dass der Abstand von der Forderseite der Schallwand zum Breitbänder exakt eingehalten wird. Man geht beim erstellen der Ausfräsung wie folgt vor:

 


1.) Mit dem Schaftfräser bringt man den Membranausschnitt (innerer Radius) an. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Raum zwischen Sicke vom Breitbänder und Holz nicht zu Groß wird. So näher Ihr an die Sicke kommt, ohne sie zu blockieren, desto gleichmäßiger verläuft der Frequenzgang

2.) Von vorne bringt man den Radius am Ausschnitt an. Hier darf nicht weiter als 9mm abgesenkt werden.

3.) Auf der Rückseite der Schallwand markiert man die spätere Chassisposition, sodass der Vifa mittig durch den zuvor angebrachten Ausschnitt guckt. Nun erstellt man mit dem Schaftfräser eine Vertiefung, an der der Breitbänder später aufliegt. Die Frästiefe hängt hierbei von Materialstärke der Schallwand ab. In meinem Fall sind das 18mm - 9mm = 9mm. Bei einer 21mm starken Platte wären es  21mm - 9mm = 12mm.


Für die Aufweitung des Tieftöners kann man anders als in der Zeichnung dargestellt statt dem Fasenfräser auch ruhigen Gewissens den zwingend vorhandenen Radienfräser benutzen. An den Außenkanten der Schallwand sind Radien genauso willkommen. Die Oberkante habe ich aus optischen Gründen verschont.

Die Montage der Schallwand kann man, wie im linken Bild dargestellt, mit Verschraubung mittels Rampamuffen (Muttern) bewerkstelligen. Die dreieckigen Holzstücke wurden vorher mittel Stichsäge von einer alten Leiste entliehen.

Absolute Luftdichtigkeit ist hier das A und O. Sonst geht Bass verlohren. Die Dichtigkeit kann man später gut mittels Impedanzmessung überprüfen. Wenn hier der Graph verzappelt oder die Abstimmfrequenz deutlich unter dem mit Gehäusevolumen und länge des BR-Rohrs simulierten Wert liegt, könnt ihr davon ausgehen, dass das Gehäuse undicht ist. Als Dichtigkeitstest eigenet sich auch die Anregung des Lautsprechers mit einem Tieffrequenten Sinussignal:

 

Als Bassreflexrohr kommt ein Intertechnik HP50 zum Einsatz, welches standardmäßig auf 9 cm zu kürzen ist. Zum Zwecke einer Anpassung an die individuelle Raumakustik, kann auch mit einem zweiten Paar BR-Rohre eine tiefere bzw. höhere Abstimmung (längere bzw. kürze Rohrlänge) realisiert werden. Ich empfehle aber mit der hier beschriebenen Ausführung zu starten und dann im A-B-Vergleich zu bestimmen, ob wirklich eine Verbesserung statt findet. Die Investition bleibt bei einem Stückpreis von 1,50 EU pro Rohr überschaubar.

Messungen:

Weiche:

Die Weiche ist elektrisch ein Tiefpass zweiter Ordnung und im Hochpass erster Ordnung plus Saugkreis. Wieauchimmer, sind für uns nur die akustischen Flanken von Bedeutung und die entsprechen näherungweise einem akustischen Filter 2.Ordnung mit LR-Charakteristik.

Kosten

Nebenstehende Tabelle zeigt die Kostenaufstellung der benötigten Materialien mit den aktuellen Kursen bei pluselektronik. Ich möchte hier eigentlich keine Werbung machen, aber in diesem Fall hat dieser Händler den Vorzug, dass man alles aus einer Hand beziehen kann: Die Chassis sowie die jeweils günstigsten Frequenzweichenteile. Diese haben eine meiner Meinung nach ausreichende Qualität. Leute die statt für sinnvolle Freuqenzgangkorrekturen ihr Budget in horrend teure Spulen und Kondensatoren stecken, haben in meinen Augen ein Rad eh Ohr ab. Soll natürlich jeder seinen schwerverdienten Schotter in Dinge investieren, die ihm belieben, aber für mich ist der Unterschied einfach zu marginal (wenn überhaupt nachweisbar), als das er die Mehrausgaben rechtfertigen würde.


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